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Das Kloster auf Mariaberg

Ulrich Rösch, Abt des Klosters St. Gallen, wird auch 2. Klostergründer genannt. Er hatte auch auf die Entwicklung der Stadt Rorschach grossen Einfluss: Durch den Klosterbau auf Mariaberg und durch den Hafenbau.

 

Abt Ulrich Rösch
Ulrich Rösch stammte aus Wangen am Allgäu (Deutschland) und war der Sohn eines Bäckers. Schon früh kam er als Küchenjunge ins St. Galler Kloster. Abt Eglolf Blarer wurde auf den gescheiten, aufgeweckten Burschen aufmerksam und liess ihn zur Schule gehen. Nach seiner Ausbildung trat Ulrich als Mönch in das Kloster ein, wo er zu den angesehensten Brüdern gehörte.

Abt Eglolfs Nachfolger war Kaspar von Breitenlandenberg, der die vielen Klostergüter schlecht verwaltete. Darunter litt das Kloster sehr. Um gegen die drohenden Gefahren besser geschützt zu sein, schloss er 1451 mit den eidgenössischen Orten Zürich, Luzern, Schwyz und Glarus ein ewiges Burg- und Landrecht, ein Schutzbündnis ab. Nun waren sie Schirmorte des Klosters, doch sein Niedergang war nicht aufzuhalten. Schliesslich übergab der Papst die gesamte Verwaltung dem jungen Ulrich Rösch, der keine leichte Aufgabe antrat. Das Kloster zählte nur noch sechs Mönche. Fünf Jahre später trat Kaspar von seinem Amt zürück und an seiner Stelle wurde Ulrich Rösch zum Abt gewählt.

Abt Ulrich brachte das Kloster wieder in geordnete Bahnen und zu grossem Ansehen. Als seine wichtigsten Verbündeten betrachtete er stets die Eidgenossen, insbesondere die Schirmorte. Er verfolgte das Ziel, aus dem Klosterbesitz ein richtiges Fürstentum zu machen und versuchte deshalb, das Herrschaftsgebiet zu erweitern und abzurunden: Er kaufte neue Güter oder tauschte schlecht gelegene Höfe gegen bessere. Sehr gerne hätte er auch Rheineck mit dem Rheintal an sich gebracht. Die Appenzeller kamen zuvor. Dafür konnte er 1468 das ganze Toggenburg für nur 14'600 Gulden kaufen.

Das Kloster und die Stadt St. Gallen
Noch unter Abt Kaspar (+ 1457) vermochte sich die Stadt St. Gallen fast vollständig von der Abtei zu lösen. Da sie jedoch mitten in fürstäbtischem Gebiet lag, konnte sie sich nicht ausdehnen, ohne dass der Abt Land abgetreten hätte. Andererseits lag die Abtei innerhalb der Stadtmauern, wodurch Abt und Mönche das Kloster nicht verlassen konnten, ohne städtisches Gebiet zu betreten. Gegen die Stadt war das Kloster nur durch einen Lebhag abgeschlossen und der städtische Lärm beeinträchtigte Ruhe und Andacht der Mönche. Jahrelang dachte Abt Ulrich darüber nach, wie er die zahlreichen Übelstände beseitigen konnte. 1481 schreibt er die "Kurtze chronik des Gotzshus sant Gallen", worin er die Verlegung des Klosters nach Rorschach begründet. Im Frühjahr 1483 stimmte der Klosterkonvent der Aussiedelung nach Rorschach zu. Am 21. Mai 1483 ermächtigt Papst Sixtus IV. Abt Ulrich zum Bau des neuen Klosters.

Der Bau des Hafens
Kurz nachdem der Papst den Klosterneubau bewilligt hatte, begannen in Rorschach die Arbeiten. Zuerst liess der Abt auf dem heutigen Hafenplatz 10 alte Häuser abreissen und setzte an deren Stelle grosse Gebäude an der heutigen Häuserzeile beim Hotel Anker. Der ganze Platz zwischen der neuen Hausreihe und dem See wurde als Marktplatz hergerichtet. Die bestehende einfache Schifflände liess Abt Ulrich zu einem guten Hafen umbauen und auf dessen Westseite erstellte er ein geräumiges Kornhaus, das erste Kornhaus Rorschachs. Abt Ulrich liess das beinahe vergessen gegangene Marktrecht durch den Kaiser erneuern und schuf somit die Grundlage für die spätere Entwicklung Rorschachs zu einem wichtigen Handelsplatz.

Mariaberg, Bauzeichnung von Pater Gabriel Bucelin, 1599 - 1681, Der Klosterbau auf Mariaberg
1485 begannen die Bauarbeiten auf Mariaberg und am 21. März 1487 legt Abt Ulrich Rösch den Grundstein. Der Bau schreitet zügig voran. Bereits im Juli 1489 sind der mit vielen Bildhauerarbeiten versehene Kreuzgang und 80 Mönchszellen fertiggestellt und der Konstanzer Weihbischof Daniel Zehender weiht den Kapitelsaal als vorläufige Kapelle.

Der Klosterbruch
Die Stadt St. Gallen wehrte sich aus finanziellen Überlegungen gegen eine Verlegung des Klosters nach Rorschach und verbündete sich deshalb mit den Appenzellern. Der St. Galler Bürgermeister Ulrich Varnbühler führte am 28. Juli 1489 rund 2150 Mann auf Mariaberg, wo sie das Kloster gewaltsam besetzten und den Bau zerstörten. Ein Gesamtschaden von 16'000 Gulden entstand.

Im Winter 1489/90 verbündeten sich die St. Galler, die Appenzeller und die Gotteshausleute zur Waldkircher Allianz, wobei die Rorschacher und Goldacher sich als letzte dem antiäbtischen Bündins anschlossen. Im Februar 1490 sammelte sich das Heer der vier Schirmorte in Wil, worauf die Gottesleute aufgaben, die Appenzeller das Bündnis auflösten und die Stadt St. Gallen ebenfalls die Waffen streckte. Im Friedensvertrag zwischen der Abtei und der Stadt St. Gallen diktierten die Eidgenossen, dass die Stadt dem Kloster 14'000 Gulden Schadenersatz zu bezahlen hatte. Zudem verlor die Stadt sämtliche ausserhalb der Stadt gelegenen Besitzungen und Rechte, die grösstenteils an die Abtei übergingen.

Bereits im September 1490, rund 15 Monate nach dem Klosterbruch, weihte der Konstanzer Weihbischof das rasch unter Dach gebrachte Kloster auf Mariaberg wieder. Ein halbes Jahr später, am 13. März 1491, verstarb in Wil Abt Ulrich Rösch. Danach wurden die Bauarbeiten auf Mariaberg eingestellt.

Statthalterei auf Mariaberg
Der Nachfolger Abt Ulrichs, Abt Gotthard Giel von Glattbrugg, verzichtete auf den Klosterbau auf Mariaberg. Er beabsichtigte stattdessen die Anlage für die Statthalterei des Rorschacheramts zu verwenden. Er und seine Nachfolger bauten und erweiterten die Anlage auf Mariaberg in den kommenden Jahrzehnten. Abt Giel von Glattbrugg liess am 13. Februar 1491 in Rorschach den ersten Korn- und Wochenmarkt abhalten, wodurch er Rorschach wirtschaftlich stärkte.

(Jakob Wahrenberger u. a., Heimat am See, 1978)
(Dr. Bernhard Anderes, Zeittafel Mariaberg; in Mariaberg Rorschach, Festschrift aus Anlass der Restaurierung, 1978)

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